Cinderellas ZauBerFÄcHeR (GC2PR0E)Sonntag, 8. Mai 2011
Cinderellas ZauBerFÄcHeR (GC2PR0E)
„Großmutter? Großmutter erzähl mir doch bitte noch einmal die Geschichte wie du den Großvater kennen gelernt hast und wie es weiter ging nachdem dein Schuh auf der Treppe liegen geblieben ist!“ „Aber die Geschichte hast du doch schon so oft gehört! Ich bin irgendwie mit nur einem Schuh auf dem guten alten Fahrrad, welches immer noch unten in der Ecke unseres Hofes steht wieder nach Hause gefahren und habe dort auf meinen Prinzen gewartet. Auch war es mit nur einem Schuh alles andere als leicht die ganzen Aufgaben zu bewältigen, die meine Stiefmutter mir damals aufbürdete. Ich bin froh, dass sie nie gefragt hat wo mein Schuh abgeblieben ist. Nach einiger Zeit habe ich mir ein Stück Holz an den Fuß gebunden, um nicht immer in die Scherben zu treten. Eines Tages, als ich die Einkäufe erledigte, stieß ich am schwarzen Brett auf eine kleine Anzeige, dass jemand einen alten dreckigen Fächer im Tiergarten gefunden hätte und sich nun einen Finderlohn erhoffte. Sofort nahm ich Kontakt zu der alten Bettlerin auf, die mir nach 10 Goldstücken, die ich heimlich vom Kostgeld abgezwackt hatte, endlich meinen Fächer wiedergab. Nachdem ich ihr ausreden konnte mir einen sehr schönen und fast dunkelroten Apfel zu schenken, versteckte ich mich daheim hinter den großen Bäumen im Garten und öffnete den Fächer. „Was ist diesmal dein Wunsch?“, fragte mich der Fächer. Ich antworte ihm, dass ich mich so sehr nach meinem Prinzen sehnte und endlich wieder zu ihm möchte. „Hat er jemals nach dir gesucht, hübsches Kind?“, fragte der Fächer mit einem Unterton in der Stimme. Ich verneinte. Nie kam mir etwas zu Ohren, dass es eine Nachfrage gegeben hatte, wer die unbekannte auf dem Fest war. Neben mir auf dem Boden erschien aus Geisterhand eine Ausgabe der BRÖHL, dem hierzulande am meisten angeschautesten Zeichnungsblatt, welches Nachrichten verbreiten sollte. Auf dem Deckblatt war mein Prinz zu sehen, hübsch und strahlend, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Neben ihm eine Dame mit mehr als scheußlichen Zähnen und einem Anstecker an der Brust, der mit drei goldenen Löwen verziert war. Sie trug ein weißes Kleid mit Schleier und ich merkte in dem Moment, wie mir die Luft wegblieb. Erschrocken schaute ich rüber zum Zauberfächer, der selber etwas traurig wirkte. „Es tut mir leid, mein schönes Kind, aber dein Prinz hat eine andere geheiratet.“ Tränen liefen mir übers Gesicht und in mir breitete sich eine unendliche leere aus. Das war’s dann. Ich würde ewig hier bleiben, in dem Haus meiner Stiefmutter, müsste weiterhin die Drecksarbeit machen, bis ich schließlich ohne jemals die wahre Liebe gefunden zu haben an Tuberkulose einzugehen… Die Gedanken machten sich in mir breit und ich verlor meinen Blick in den Weiten des Waldgrundstücks ganz in der Nähe. Der Fächer schien mich eine Weile zu beobachten, bis er sich räusperte um mich aus meinen Gedanken zu reißen. Mit gesenkter Stimme sprach er folgende Worte zu mir, die ich nie vergessen werde: „Mein hübsches Kind, ich kann dich nicht leiden sehen, so will ich dir einen letzten Gefallen tun. Nimm die dreckige Wäsche und gehe mit ihr an den Fluss. Dort wasche sie gründlich. Frage nicht nach dem Warum, geh einfach sofort los.“ Ich hörte auf ihn, nahm den alten knarrenden Bastkorb und machte mich auf den Weg ans Flussufer mitten im Wald. Als ich dort gerade dabei war eine der spitzenbesetzte Unterhose sauber zu rubbeln hörte ich Stimmen hinter mir. Ich wand meinen Kopf ab um zu sehen wer dort sprach, doch es waren nur zwei Kinder, die mit einem Stück Brot spielten und mich gar nicht weiter beachteten. Plötzlich riss eine Stromschnelle mir das Höschen aus der Hand und schwamm davon. Ich stolperte hinterher um die Hose zu erhaschen, doch war das Wasser schneller. Hinter einer Kurve erhoffte ich das Stück Stoff endlich zu fangen, doch mein Blick traf nicht wie erhofft auf das Kleidungsstück, sondern auf ein paar Lederstiefel. Mein Blick wanderte an der Hose, dem Gewehr und dem Hemd hinauf, bis ich in die schönsten Augen sah, die ich je erblickt hatte. Der Jäger, der dort vor mir stand, hatte mir sofort mein Herz geraubt und es störte mich nicht im Geringsten, dass er den tropfnassen Liebestöter noch in den Händen hielt. Auch ließ ich mich nicht erschrecken, dass er eigentlich unterwegs war, um ein Mädchen zu töten. Wir beschlossen schnell zu heiraten und kauften uns dieses kleine Anwesen, in dem du mich nun heute besuchst. Der Fächer hatte mir nicht nur die Liebe geschenkt, sondern auch ein wundervolles Leben, mit herrlichen Kindern und noch wundervolleren Enkeln. Wir hatten alles was wir zum Leben brauchten und machten nie eine schlimme Zeit durch. Dem Prinz von damals erging es nicht so gut. Schon kurz nach der Hochzeit plante sein Hofvolk den Aufstand und seine Frau verließ ihn für einen reicheren, wenn auch nicht so gutaussehenden Prinzen. Du siehst also mein Kind, Adel und Reichtum sind nicht alles um einen Glücklich zu machen. Und nun geh mein Kind, und Danke deiner Mutter für Brot und Wein! Ich freue mich bereits auf deinen nächsten Besuch!“
Geschrieben von Gartenzwerge Berlin
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um
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Ich werde Dir schreiben ... (GC2F4Z2)Samstag, 2. April 2011
Ich werde Dir schreiben ... (GC2F4Z2)
Der Brief glitt ihm aus der Hand und segelte elegant zu Boden, nur die Puderdose hielt er fest in seinen Händen. Mit dem rechten Daumen strich er über das kalte, goldlackierte Metall. Eine Träne bahnte sich ihren Weg über sein Gesicht, er machte sich nicht die mühe sie wegzuwischen. Ihn würde hier eh keiner sehen, in seiner eigenen Wohnung in der Barbarossastraße. Mit vorsichtigen Bewegungen öffnete er die Dose, blicke in den leicht verstaubten Spiegel im Deckel und atmete den Duft des Puders, der zu seiner Nase aufstieg. Wie sehr er diesen Duft immer an ihr geliebt hatte. Er verschloss sie wieder und drehte die Dose vorsichtig um. Auf der Rückseite war ihr Name eingraviert. Er erinnerte sich gut an den Tag, als er ihr diese kleine große Freude gemacht hatte. Sie kannten sich noch nicht lange und doch hatten sie gewusst, dass sie zusammen gehörten. Er schenkte ihr die Puderdose an einem warmen Sommerabend am Wannsee, damals, als noch alles in Ordnung war. Heute, als er von der weniger erfolgreichen Einkaufstour wieder nach Hause kam, fand er versteckt in der kleinen Wohnungspflanze die neben seiner Haustür im Treppenflur stand den kleinen Brief samt eingewickelter Puderdose. Er wusste sofort was in dem Brief stand, und doch öffnete er ihn sofort, nachdem er die Wohnung betreten hatte. Ihre Handschrift war unruhig und panisch, das sah er sofort. Mein geliebter Alex, Nun ist es soweit, morgen muss ich fort und das trifft mich natürlich schwer […] Die Puderdose die ich gehütet habe wie meinen Schatz soll ein kleines Andenken für dich persönlich sein an mich, betrachte sie recht oft, dann denkst du an mich. […] Ich werde dir schreiben Deine tieftraurige Else Stern Er wusste, dass dieser Tag kommen würde, eigentlich hatte er jeden Morgen damit gerechnet und doch traf ihn die Tatsache wie ein schwerer Schlag gegen die Brust. Es gab nichts was er nun noch tun konnte. Er ließ sich auf den Stuhl am Esstisch fallen, atmete tief durch die Dose fest in der Hand. Mit dem Daumenagel folgte er den Konturen der Gravur. In ihm stieg leere auf. Was würde noch alles kommen, war denn nicht schon alles schlimm genug. Jedes Gesetz hatte es so gut es ging versucht zu tragen, machte sich unsichtbar, vermied den Kontakt nach außen und alles war erträglich solange er seiner Else in die wunderschönen braunen Augen schauen konnte. Es war ein stechender Schmerz in ihm, wenn er an Else dachte. Ihm war klar, dass es kein Wiedersehen geben würde. Er erhob sich und ging mir langsamen Schritten zu der abgewetzten Kommode in der hintersten Ecke der Wohnung. All seine wahren Schätze lagerten dort. Sein Diplom das ihn als „Professor“ auszeichnete, die alten Bilder und Briefe die er stets sorgsam aufgehoben hatte. So vorsichtig es ging schob der die Kommode von der Wand weg und öffnete die alte Wartungsklappe die sich dort hinter versteckte. Seine Finger berührten das Leder des alten Schreibheftes und er zog es aus seinem Verschlag. Verstaubt war es, doch es sollte geheim bleiben. Ihm war klar, dass er nun nichts anderes mehr zu tun hatte, als weiterhin seine Aufzeichnungen zu machen. Irgendwann, wenn dieser Alptraum endlich vorüber wäre, würde Jemand dieses Buch aus seinem Gefängnis befreien und seine, sowie die Geschichte vieler Juden in Deutschland, lesen. Und er würde von Else erfahren, seiner Else.
Geschrieben von Gartenzwerge Berlin
in Zwergenlogs
um
15:20
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