Cinderellas ZauBerFÄcHeR (GC2PR0E)
„Großmutter? Großmutter erzähl mir doch bitte noch einmal die Geschichte wie du den Großvater kennen gelernt hast und wie es weiter ging nachdem dein Schuh auf der Treppe liegen geblieben ist!“ „Aber die Geschichte hast du doch schon so oft gehört! Ich bin irgendwie mit nur einem Schuh auf dem guten alten Fahrrad, welches immer noch unten in der Ecke unseres Hofes steht wieder nach Hause gefahren und habe dort auf meinen Prinzen gewartet. Auch war es mit nur einem Schuh alles andere als leicht die ganzen Aufgaben zu bewältigen, die meine Stiefmutter mir damals aufbürdete. Ich bin froh, dass sie nie gefragt hat wo mein Schuh abgeblieben ist. Nach einiger Zeit habe ich mir ein Stück Holz an den Fuß gebunden, um nicht immer in die Scherben zu treten. Eines Tages, als ich die Einkäufe erledigte, stieß ich am schwarzen Brett auf eine kleine Anzeige, dass jemand einen alten dreckigen Fächer im Tiergarten gefunden hätte und sich nun einen Finderlohn erhoffte. Sofort nahm ich Kontakt zu der alten Bettlerin auf, die mir nach 10 Goldstücken, die ich heimlich vom Kostgeld abgezwackt hatte, endlich meinen Fächer wiedergab. Nachdem ich ihr ausreden konnte mir einen sehr schönen und fast dunkelroten Apfel zu schenken, versteckte ich mich daheim hinter den großen Bäumen im Garten und öffnete den Fächer. „Was ist diesmal dein Wunsch?“, fragte mich der Fächer. Ich antworte ihm, dass ich mich so sehr nach meinem Prinzen sehnte und endlich wieder zu ihm möchte. „Hat er jemals nach dir gesucht, hübsches Kind?“, fragte der Fächer mit einem Unterton in der Stimme. Ich verneinte. Nie kam mir etwas zu Ohren, dass es eine Nachfrage gegeben hatte, wer die unbekannte auf dem Fest war. Neben mir auf dem Boden erschien aus Geisterhand eine Ausgabe der BRÖHL, dem hierzulande am meisten angeschautesten Zeichnungsblatt, welches Nachrichten verbreiten sollte. Auf dem Deckblatt war mein Prinz zu sehen, hübsch und strahlend, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Neben ihm eine Dame mit mehr als scheußlichen Zähnen und einem Anstecker an der Brust, der mit drei goldenen Löwen verziert war. Sie trug ein weißes Kleid mit Schleier und ich merkte in dem Moment, wie mir die Luft wegblieb. Erschrocken schaute ich rüber zum Zauberfächer, der selber etwas traurig wirkte. „Es tut mir leid, mein schönes Kind, aber dein Prinz hat eine andere geheiratet.“ Tränen liefen mir übers Gesicht und in mir breitete sich eine unendliche leere aus. Das war’s dann. Ich würde ewig hier bleiben, in dem Haus meiner Stiefmutter, müsste weiterhin die Drecksarbeit machen, bis ich schließlich ohne jemals die wahre Liebe gefunden zu haben an Tuberkulose einzugehen… Die Gedanken machten sich in mir breit und ich verlor meinen Blick in den Weiten des Waldgrundstücks ganz in der Nähe. Der Fächer schien mich eine Weile zu beobachten, bis er sich räusperte um mich aus meinen Gedanken zu reißen. Mit gesenkter Stimme sprach er folgende Worte zu mir, die ich nie vergessen werde: „Mein hübsches Kind, ich kann dich nicht leiden sehen, so will ich dir einen letzten Gefallen tun. Nimm die dreckige Wäsche und gehe mit ihr an den Fluss. Dort wasche sie gründlich. Frage nicht nach dem Warum, geh einfach sofort los.“ Ich hörte auf ihn, nahm den alten knarrenden Bastkorb und machte mich auf den Weg ans Flussufer mitten im Wald. Als ich dort gerade dabei war eine der spitzenbesetzte Unterhose sauber zu rubbeln hörte ich Stimmen hinter mir. Ich wand meinen Kopf ab um zu sehen wer dort sprach, doch es waren nur zwei Kinder, die mit einem Stück Brot spielten und mich gar nicht weiter beachteten. Plötzlich riss eine Stromschnelle mir das Höschen aus der Hand und schwamm davon. Ich stolperte hinterher um die Hose zu erhaschen, doch war das Wasser schneller. Hinter einer Kurve erhoffte ich das Stück Stoff endlich zu fangen, doch mein Blick traf nicht wie erhofft auf das Kleidungsstück, sondern auf ein paar Lederstiefel. Mein Blick wanderte an der Hose, dem Gewehr und dem Hemd hinauf, bis ich in die schönsten Augen sah, die ich je erblickt hatte. Der Jäger, der dort vor mir stand, hatte mir sofort mein Herz geraubt und es störte mich nicht im Geringsten, dass er den tropfnassen Liebestöter noch in den Händen hielt. Auch ließ ich mich nicht erschrecken, dass er eigentlich unterwegs war, um ein Mädchen zu töten. Wir beschlossen schnell zu heiraten und kauften uns dieses kleine Anwesen, in dem du mich nun heute besuchst. Der Fächer hatte mir nicht nur die Liebe geschenkt, sondern auch ein wundervolles Leben, mit herrlichen Kindern und noch wundervolleren Enkeln. Wir hatten alles was wir zum Leben brauchten und machten nie eine schlimme Zeit durch. Dem Prinz von damals erging es nicht so gut. Schon kurz nach der Hochzeit plante sein Hofvolk den Aufstand und seine Frau verließ ihn für einen reicheren, wenn auch nicht so gutaussehenden Prinzen. Du siehst also mein Kind, Adel und Reichtum sind nicht alles um einen Glücklich zu machen. Und nun geh mein Kind, und Danke deiner Mutter für Brot und Wein! Ich freue mich bereits auf deinen nächsten Besuch!“